Deutscher Buchpreis 2026 an „Lücken“ von Shida Bazyar
Jurybegründung:
Heimisch in Heimesbach – kann man das sein? Der Roman „Die Lücken“ von Shida Bazyar reflektiert anhand einzelner Figurenschicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens. Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen. Die Autorin wählt überzeugende literarische Strategien: Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen. Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes. Ein Roman gegen Gleichgültigkeit.
Herzlichen Glückwunsch an Shida Bazyar und ihren wunderbaren Verlag Kiepenheuer & Witsch zun Deutschen Buchpreis 2026. Es ist ein wirklich großartiger Jahrgang und alle Bücher sind in ihrer Vielfalt eine Leseempfehlung.

