Pavel_Rehböcke

Ota Pavel: Der Tod der schönen Rehböcke

Ota Pavel, 1930 geboren, schrieb als Journalist des Prager Rundfunks Sportreportagen und reiste um die ganze Welt. Als Pavel von den Olympischen Winterspielen in Innsbruck berichten sollte, begegnete ihm der Legende nach der Teufel und befahl ihm, eine Scheune anzuzünden – er tat es. In der Psychiatrie empfahl ihm der behandelnde Arzt, seine Familiengeschichte aufzuschreiben. »Der Tod der schönen Rehböcke« wurde ein großer Erfolg. Pavel starb 1973 an einem Herzinfarkt und wurde neben seinem Vater auf dem Jüdischen Friedhof in Prag begraben.Und hier ist sie: diese ebenso kuriose wie wehmutsvolle Hommage an eine vergangene Zeit, erzählt aus der Sicht des Sohnes auf den schlitzohrigen, charmanten Vaters, dem stets ein Ausweg einfällt.

Die Geschichte entwirft ein berührendes Bild eines Mannes, der sich als Herrscher über Staubsauger, Kühlschränke und Fliegenfallen versteht, als unübertroffener Züchter von Kaninchen, als hingebungsvoller Angler auf Karpfen, als selbstbestimmter Kenner der schönen Künste, als erhabener Hüter von Schweinen und als unbeständiger Anbeter seiner Ehefrau.

Obwohl seine Einfälle durchdacht sind und seine Tatkraft unermüdlich scheint, enden all seine vielfältigen geschäftlichen Vorhaben im Nichts. Doch weder politische Unterdrückung noch kriegerische Wirren vermögen seine leuchtende Lebensfreude zu trüben. Sogar gegenüber den deutschen Besatzern bewahrt er seinen trotzig-heiteren Mut. Denn am Ende gilt: Man kann auch dann triumphieren, wenn man bereits besiegt ist. (UO)