Empfehlungen

  • Buchempfehlung, Rezension

    Gregor Sander: Troja, später Nachmittag

    Ein außergewöhnliches Leben: Als fünftes von neun Kindern wächst Heinrich Schliemann als Sohn eines gewalttätigen Pastors auf. Aus finanziellen Gründen muss er die Schule frühzeitig verlassen. Doch der hochbegabte und eigensinnige Junge hat große Träume. Mit großem Ehrgeiz und unerschütterlichem Willen arbeitet er sich aus der Enge seiner Herkunft empor und wird unermesslich reich. Mit großer erzählerischer Freiheit und spürbarer Freude am Fabulieren schildert der Autor, wie aus dem Sprachgenie und Geschäftsmann der zugleich gefeierte wie umstrittene Archäologe Heinrich Schliemann wird. Entstanden ist eine humorvolle und sprachgewaltige Abenteuergeschichte, in der die große Liebe seines Lebens den Antrieb zu all dem bildet.
    ISBN 9783328605089 Penguin Verlag, August 2026, 320 Seiten, Geb. mit SU, 24 €

  • Toni Tulathimutte: Fiasko

    Toni Tulathimutte: Fiasko

    Achtung! Eine Zumutung und Herausforderung.
    „Fiasko“ ist ein scharfes, verstörendes und zugleich komisches Sittenbild der digitalen Gegenwart: sieben lose verknüpfte Erzählungen über Zurückweisung, Begehren und die Suche nach Anerkennung in einer Welt aus Dating-Apps, Gruppenchats und ideologischen Online-Debatten. Das Buch trifft den Ton der Internetkommunikation erstaunlich präzise und zwingt die Lesenden immer wieder zum Wechsel zwischen Abscheu, Schadenfreude und Mitgefühl.
    Im Zentrum stehen Figuren, die an Liebe, Sex oder sozialer Zugehörigkeit scheitern und ihre Kränkung zunehmend in Obsession, Selbsthass oder ideologische Härte übersetzen. Tulathimutte zeigt, wie Zurückweisung selten als klares „Nein“ kommt, sondern als schleichender Entzug von Aufmerksamkeit, der Identität und Verhalten prägt.
    Sprachlich ist „Fiasko“ beweglich und virtuos: Tulathimutte montiert Chats, Forenposts, E-Mails und metafiktionale Kniffe zu einem bitterkomischen Panorama emotional verwahrloster Milieus. Die Übertreibungen wirken teils abstoßend, sind aber essenziell für den satirischen Charakter; sie machen das Buch zu einem Experimentierfeld für Identitätspolitik, Zugehörigkeitsdruck und die Schrullen liberaler Blasen.
    EAN: 9783423285773
    Fiktionen | Rejection.
    Übersetzt von Jan Schönherr, Stefanie Ochel, Stefanie Jacobs
    dtv Verlagsgesellschaft

    August 2026 – 384 Seiten

  • Pavel_Rehböcke

    Ota Pavel: Der Tod der schönen Rehböcke

    Ota Pavel, 1930 geboren, schrieb als Journalist des Prager Rundfunks Sportreportagen und reiste um die ganze Welt. Als Pavel von den Olympischen Winterspielen in Innsbruck berichten sollte, begegnete ihm der Legende nach der Teufel und befahl ihm, eine Scheune anzuzünden – er tat es. In der Psychiatrie empfahl ihm der behandelnde Arzt, seine Familiengeschichte aufzuschreiben.

  • Buchcover Marie-Janine Calic Balkan Odysee

    Marie-Janine Calic: Balkan Odyssee 1933 – 1941

    Gute Wahl: der Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch/Essayistik geht an Marie-Janine Calic für ihr jüngstes Buch „Balkan-Odyssee 1933-1941: Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“.
    Nach sehr guten Sachbüchern zur Geschichte Jugoslawiens, des Balkans und einer materialreichen Tito-Biographie erzählt die an der LMU lehrende Autorin in ihrem neuen Buch die Geschichte Südosteuropas als Exil und Fluchtort für von den Nazis Bedrohten und Verfolgten. Die Autorin hat zahlreiche, auch entlegene, Quellen ausgewertet und beschreibt anschaulich die Lebens- & Migrations-Geschichten von zahlreichen Intellektuellen, Künstlern & Wissenschaftlern, die im Königreich Jugoslawien der Zwischenkriegszeit Zuflucht fanden vor Diskriminierung, Entrechtung & Verfolgung.–

  • Buchcover Karsten Krampitz Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung

    Karsten Krampitz: Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung

    Obwohl nach den 198 Seiten des Buches eigentlich alles gesagt ist über die Protagonisten dieser Erzählung, die in den letzten 10 Jahren der DDR spielt, möchte man gerne weiterlesen: über Gruns, den Rolli-fahrenden Laien-Prediger, über Mozek, den ihn pflegenden Fernschach-Virtuosen, über Eisen, den Roadie & Punkrock-Darsteller & noch ein halbes Dutzend weiterer Bewohner der im schützenden Schatten der Kirche und in ihrer Immobilie sich etablierenden „Krüppel-Kommune“ aus Behinderten und „Latschern“, die sich, jeder auf seine Weise, in dieser Nische den Forderungen des „Resozismus“ entziehen können und dort zumindest zeitweise ein freiheitlicheres Leben zu führen vermögen als in den für sie staatlicherseits vorgesehenen Institutionen (Psychiatrie, Behinderten-Heim).

  • Buchcover Liliana Corobca Der erste Horizont meines Lebens

    Liliana Corobca: Der erste Horizont meines Lebens

    ›Land ohne Eltern‹ nannte die Lichtbildnerin Andrea Diefenbach ihren Photo-Essay über moldawische Arbeitsmigranten & deren oft jahrelang ohne ihre Eltern aufwachsenden Kinder im ärmsten Land Europas. Nahezu ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung verdingt sich im Ausland, und die Überweisungen der überall auf der Welt arbeitenden MoldawierInnen übersteigen das Inlands-BIP beträchtlich.

  • Buchcover CARL NIXON: FISH 'N' CHIP SHOP SONG

    Carl Nixon: Fish ’n‘ Chip Shop Song

    Ähnlich den Romanen des neuseeländischen Autors Carl Nixon, die seit 2012 in deutscher Übersetzung im feinen Weidle Verlag eschienen sind (und seit 2019 im feinen Verlag Culturbooks erscheinen), kreisen auch seine 2019 erstmalig übersetzten Erzählungen um die existenziellen Themen menschlicher Erfahrung: Tod & Verlust, Krankheit & Abschied, sowie den tastenden Versuch, an die zufällig und schicksalhaft ins Leben einbrechenden Zäsuren sich zu erinnern: wie war das eigentlich…?